Wer ist eigentlich schuld …

am Zustand der Welt? Ich bin frustriert, ja bin ich. Ich habe mein Leben lang für eine “bessere Welt” gekämpft, ich bin ein Gutmensch. Meine Politisierung fing mit dem Nato Doppelbeschluss an, damals waren wir davon überzeugt, dass Atomwaffen oder Atomkraftwerke unsere Welt vernichten werden, oder der saure Regen. Klimawandel war ein Stichwort, aber das lag noch weit weg, die Atomwaffen, der kalte Krieg, das war viel näher.

Wir waren auf der Straße, auf riesigen Friedendemos, auf Ostermärschen die damals noch Hundertausende bewegt haben und wir haben gegen den Polizeistaat, Nazis und Neonazis gekämpft. Das hat mich bis in die Politik geführt, erst bei Sozialisten und Kommunisten, später in die SPD. Clinton, Schröder, Fischer, Schilly, Trittin, das waren unsere Hoffnungsträger, nun wird die Welt besser, davon waren wir überzeugt.

Hat nicht gegangen. Was ist schief gelaufen? Wie kann es sein, dass heute, 16 Jahre später, Populismus von Rechts die Massen bewegt, der menschen gemachte Klimawandel ignoriert oder gar geleugnet wird, Flüchtlinge ertrinken obwohl man sie retten könnte, Nukleare Aufrüstung wieder ein reales Szenario wird. Was ist passiert? Wer ist schuld?

Es sind die Politiker, rechtes Gesockse, die Nachrichten, die Zeitungen, die Unternehmen, Google und Co. Oder die Rothschilds, oder Sorbas, oder die Neue Weltordnung.

Nein! Es sind die Menschen. Wir, das Volk. Gerade in den europäischen und amerikanischen Staaten, in denen seit Jahrzehnten Frieden, materieller Überfluss, ein allgemeines Gesundheitssystem und soziale Absicherung Realität waren, gerade hier kommen nun überall rechte Fascho-Arschlöcher (sorry, Populisten) und wissenschafts-feindliche Spinner an die Macht, die dann ihre Macht nutzen um Demokratie und Sozialsysteme zu unterwandern oder abzuschaffen. Polen, Ungarn, Österreich, Italien, England, Türkei, Amerika, Schweden … man kann sie gar nicht alle behalten. Selbst in Deutschland bestimmen die Idioten mittlerweile das Geschehen. Da denkt man doch, wenn die Ärsche erstmal in der Praxis zeigen wie menschenverachtent sie sind, wie wenig sie sich für den “kleinen Mann” oder die “kleine Frau” interessieren, dann werden sie wieder in die Gosse geschickt, wo sie hingehören. Aber nix da, Trumps Anhänger werden immer anhänglicher je mehr Scheißdreck der produziert, die Italiener stimmen mit 57 % für Rechtsbeugung um ihren bekloppten Innenminister nicht anklagen zu lassen, die Türken schaffen ihre Demokratie gleich komplett in einer Volksbefragung mit der Zustimmung der Bevölkerung ab, in Deutschland kann sich der “Heimatminister” erlauben was er will und ist immer noch im Amt. Und die Umfagewerte in Deutschland sehen die Koalition immer noch bei fast 50%.

Das hat mir den Wind vollends aus den Segeln genommen. Damals, bei den Kommunisten, da hatten wir die Erkenntnis, die Menschen haben alle die gleichen Interessen, aber sie erkennen sie nicht. Wir waren diejenigen, die es erkannt hatten und nun für die Durchsetzung dieser Interessen handelten. Das war natürlich vollständiger Unsinn, wir hatten nix geschnallt, wir haben die UDSSR unterstützt, sahen in der DDR den legitimen deutschen Staat, waren der Meinung, die russischen AKWs seinen die Guten. Das ging bei mir sehr schnell vorbei, aber das mit den gemeinsamen Interessen, daran habe ich immer geglaubt. Heute habe ich da so meine Zweifel.

Die Menschen sind das Problem. Das Fressen kommt vor dem Saufen, und dann kommt lange nichts mehr. So scheint es zu funktionieren. Solange ich was davon habe, mache ich halt alles mit. Auf der Seite der SiegerInnen zu stehen ist wichtiger als alles Andere – Das FC Bayern Syndrom. Wissenschaft ist kompliziert, Trump sagt was ich hören will, dann wähle ich den und schlucke Globuli dazu. Facebook ist das neue Nachrichtenmagazin, Evolution ist quatsch, wir stammen niemals von den Affen ab, lasst uns ein Kreationistenmuseum bauen und wenn es der Wirtschaft gut geht, dann geht es uns allen gut, auch wenn es die Rüstungswirtschaft ist. Scheiß drauf. Hauptsache ich kann meinen BMW fahren (jaja, Selbsterkenntnis … aber, ich würde die Grünen wählen, wenn sie ihn mir – und allen anderen auch – wegnehmen wollten).

Früher war ich mal ein Gutmensch, heute bin ich vielleicht nur noch ein frustrierter alter Mann.

4 Antworten auf „Wer ist eigentlich schuld …“

  1. Gestern noch den Spruch gelesen…
    Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.
    Ich glaube, ich habe es unter einem Bild von Hagen Rether gesehen.

    Früher habe ich echt oft gedacht, wie konnte das dritte Reich geschehen? Wie konnten die Menschen damals alles so mitmachen. Und das passiert ja eh nie wieder. Ich glaube mittlerweile, dass es sehr wohl und auch ganz schnell wieder passieren kann. Die Leute sind nur an ihrem eigenen Wohl interessiert. Und das geht am Einfachsten ohne Denken, ohne Einschränkungen – selbst bei denkenden Wesen – und ich rechne mich mal dreist dazu – ist es schwierig. Ich bin genauso anfällig für Konsum und dergleichen – auch wenn ich es mir gerne schön rede. Ein Unterschied bei mir ist vielleicht, dass ich reflektiere. Da wären wir dann beim Schönreden…. 😉

    Bei unserer Mutter hängt ein schönes Zitat an der Wand – auch wenn ich es mit Gott nicht so habe – es passt auch, wenn man es davon löst….
    Gott gebe mir die Kraft Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann UND die Weisheit das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

    Wenn ich mich nicht strikt an diesen Satz halte, kriege ich schlechte Laune und fühle mich genauso, wie du es beschrieben hast – ein frustrierter alter Mann. Ich muss für mich klar haben, was ich anpacken und ändern kann. Wenn ich das dann auch tue, kann ich mit mir zufrieden sein. Dann bin ich auch nicht frustriert und fühle mich ggf. auch nicht so alt 😉

    Alles andere bringt mich nicht weiter – weil ich dann vor lauter Hilflosigkeit gegenüber den Dingen, die ich nicht ändern kann in eine Art Depression verfalle. Das sorgt dafür, dass mir entweder alles Scheiß-eagl ist oder aber dass ich nichts mehr anpacke – was alles in mir und meinem Umfeld nur noch schlimmer macht.

    Daher: für mich hilft – meinen Horizont anschauen – alles was ich ändern und machen kann – anschauen und ggf. Kompromisse eingehen – aber dann machen… Anders werde ich mit allen Dingen nicht fertig.

    Ob das Volk einfach nur doof ist und einen doofen Führer braucht – ob die Menschen in ein paar Jahren hops gehen, weil das Klima soweit von den Menschen zerstört wird – all sowas – kann ich nicht direkt bewirken. Ich kann meine Meinung kundtun (beim Sprechen mit Bekannten und Freunden, beim Wählen, beim Unterzeichnen von Petitionen, hier, oder sonst wo). Ich kann es nur in meinem kleinen Kosmos anpacken. Beispielsweise durch den Verzicht auf Fleisch und Fisch. Hier mach ich aber beispielsweise immer noch einen Kompromiss, da ich noch Käse esse und auch ab und an mal Milch trinke. Beim Kaffee bin ich beispielsweise daheim schon auf Hafermilch umgestiegen. (Schönreden?)

    1. hey ihr beiden.
      mir fällt dazu mein lieblingswitz ein: treffen sich 2 planeten. sagt einer zum anderen: “du siehst aber schlecht aus… was’n los?” darauf der andere planet:” “…ich hab homo sapiens!” “oh!” erwiedert der erste planet “- hatte ich auch mal, das geht vorbei!”

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