Materielose Information

Habe heute auf Youtube wieder ein Video gesehen, das mir erklären wollte wir leben in einem Computer 🙂 Da gibt es eine klassische Begründung die immer gerne hergenommen wird. Das geht etwa so:

Wenn man einen Roboter hat, der von A nach B fahren kann, dann ist das eine programmierbare Maschine. Das Programm sagt der Maschine, sie soll von A nach B fahren. Die Information ist dann “fahre von A nach B”. Diese Information ist in Form eines Computerprogramms abgelegt. Wenn man diese Information nun löscht, also das Programm aus dem Speicher entfernt, dann ist die Maschine nicht mehr in der Lage von A nach B zu fahren. Die wesentliche Argumentation kommt nun: Es hat sich materiell aber nichts geändert. Die Maschine wiegt nicht weniger oder mehr wenn die Information weg ist, sie sieht nicht anders aus und es ist nicht möglich festzustellen, dass sich ĂĽberhaupt etwas geändert hat. Daraus wird dann gefolgert, dass die Information an sich unabhängig von der Materie ist und daraus ergeben sich dann weitere Argumente fĂĽr die Computerwelt oder fĂĽr eine Quantenrealität oder ähnliche Ideen.

Aber stimmt denn die Grundannahme? Kann man wirklich sagen, die Information ist unabhängig von Materie?

Ein Computer arbeitet mit Strom, ohne Strom passiert da nix. Wird ein Programm “geladen” dann bedeutet das, es werden elektronische Schalter umgelegt um in sogenannte Speicherzellen entweder eine eins oder eine null zu schreiben. Nimmt man den Strom weg, also wirklich den ganzen Strom, auch die Batterie die hinten im Computer steckt, dann ist das Programm weg. Es gibt Speicherbausteine die können ihre Ladung auch noch eine gewisse Zeit behalten wenn sie keinen Strom haben, aber irgendwann sind auch die “leer”.

Ohne Strom kein Programm, keine Information. Strom ist aber eine Energieform. Elektronen die sich durch einen Leiter bewegen. Mit dem entsprechenden Potential (Spannung) kann man mehr oder weniger Elektronen in ein Speicherelement “pressen”. Jedes Elektron trägt eine Ladung und das ist Energie. Nach Einstein ist Energie aber “nur ein anderer Begriff fĂĽr Masse”. E=mc-quadrat bedeutet nichts weniger, als dass man Masse in Energie und Energie in Masse umrechnen kann. Ein Programm in den Speicher zu laden bedeutet also die Ladung  zu verändern, und das ist gleichbedeutend mit Veränderung von Energie und das bedeutet Masse.

Die Grundannahme ist also falsch. Programm geladen oder nicht geladen ist sehr wohl mit einer Ă„nderung der Masse verbunden, auch wenn das weit unter der technischen Nachweisgrenze liegt, es gibt keine Waage mit der man das messen könnte. Das ändert aber nichts daran, dass es diese Ă„nderung sehr wohl gibt. Um das zu messen muss man halt den Stromverbrauch messen. Da die Basisannahme nicht stimmt, muss man wohl sagen, alles was daraus abgleitet wird – also zum Beispiel wir leben in einem Computer – stimmt auch nicht, oder kann zumindest nicht damit begrĂĽndet werden.

Man kann auch noch weiter darĂĽber philosophieren was denn eigentlich Information ist. Ist das Programm “Fahre von A nach B” tatsächlich eine Information? Oder der Satz “Bernd ist Physiker”, ist es Information wenn dieser Satz auf einem Blatt Papier steht? Letzeres wĂĽrde bedeuten, der Satz “Beriskt Phnd erysi” ist keine Information da man daraus nichts erkennen kann. Dann wären wir wieder an dem Punkt, dass Information nicht materiell ist, dann es macht sicher keinen Unterschied in welcher Reihenfolge die Buschstaben auf dem Blatt stehen. Ebenso könnte man die Energie, die das Programm “Fahre von A nach B”  zusätzlich benötigt auch anders aufbringen. Also doch?

Ich behaupte, dass es sich bei dem Satz “Bernd ist Physiker” ĂĽberhaupt nicht um eine Information handelt. Kann ein Affe damit was anfangen? Oder ein Alien? Oder jemand der nicht lesen kann? So wie ich das sehe gibt es drei Bestandteile von Information, den Informaten, einen Informationsträger und den Informierten. Der Informant bringt eine Information auf einen Informationsträger und der Informierte kann die Information verstehen. Informant und Informierter mĂĽssen mit dem was auf dem Informationsträger steht etwas anfangen können, nur dann wird es zur Information. Sowohl das Aufbringen der Information ist mit Energieänderung verbunden als auch das Entnehmen der Information. Wenn es auch nur die Energie im Gehirn ist, die dafĂĽr benötigt wird. Das Blatt Papier ist hier der Informationsträger und ohne einen Informanten der Energie aufgebracht hat wĂĽrde da nichts stehen und ohne einen Informierten, der Energie aufbringt um die Information aufzunehmen und zu verarbeiten, wäre es vollkommen irrelevant was da in welcher Reihenfolge steht.

Das Gleiche gilt fĂĽr das Computerprogramm. Der Informant ist in diesem Fall einE ProgrammiererIn, der Informationsträger ist zum Beispiel eine Festplatte und der Informierte ist in diesem Fall der Prozessor der die Anweisung ausfĂĽhren muss. Man kann das sogar noch sehr viel weiter zerlegen, denn im Computer kann man die “Informationsverarbeitung” auf einzelne elektronische Bauteile runterbrechen die nur zwischen “Strom an” und “Strom aus” unterscheiden können.

Zusammengefasst sehe ich es so, dass Information nicht das ist was irgendwo “steht” sondern das was irgendwo “steht” wird erst zur Information wenn ein Informierter damit etwas macht. Und es steht auch nicht einfach irgendwo irgendwas, sondern ein Informant hat Energie aufgebracht um es hinzuschreiben. Information ist also immer mit Energie verbunden und damit auch massebehaftet – wenn auch als Masse aktuell nicht nachweisbar da technisch nicht messbar. Information ohne Materie gibt es also nicht. Und damit ist der Idee, wir leben in einem Computer, der Boden entzogen.

2 Replies to “Materielose Information”

  1. Matrix meets Philosophy- Cool – : Vor ĂĽber 300 Jahren beschrieb RenĂ© Descartes, dass Geist und Körper getrennt sind (kartesische Dualität). Auf dieser Weltanschauung fuĂźen unsere Gedanken zum Teil noch heute. So nun Obacht, – zunächst: Ob fĂĽr eine Welt-An-Schauung, ein (zB physikalisches) Experiment oder fĂĽr philosophische Ăśberlegungen oder fĂĽr den biologischen Blick auf ein Objekt, gilt eine Grundregel: je fokussierter Details betrachtet werden, desto weniger wird das groĂźe Ganze wahrgenommen und umgekehrt. (Heisenberg’sche Unschärferelation) oder taoistisch ausgedrĂĽckt ist es der ‘harte’ (fokussierte) und der weiche Blick… das wissen wir ja alles spätestens von der Vera B.
    Amid Goswami, ein bedeutender Physiker beschreibt das Problem mit der Wahrnehmung folgendermaĂźen: “…Wenn ich etwas betrachte, sehe ich das Bild von dem was ich betrachte…natĂĽrlich ist das Bild nicht das Objekt, wie die Landkarte nicht das Land ist. Gibt es ĂĽberhaupt ein Bild auĂźerhalb von uns? Wir wissen, dass es in unseren Köpfen eine bestimmte Art von Bild gibt, ein rein theoretisches Bild – mehr wissen wir nicht. Jedes mal wenn wir etwas optisch wahrnehmen, sehen wir eigentlich das theoretische Bild; es ist etwas ganz Persönliches. Wir gehen davon aus, dass Objekte, die wir um uns sehen, empirische Objekte einer allgemein gĂĽltigen Realität sind – ganz objektiv und allgemein anerkannt und empirisch nachprĂĽfbar. Tatsächlich aber wird unser Wissen darĂĽber mit subjektiven und persönlichen Mitteln gesammelt” (aus ‘das bewusste Universum’ aktuelle Ausgabe S. 185)

    Der SchlĂĽssel um das zu verstehen ist folgende Frage, welche man in seine Meditation (im Schneidersitz, auf dem Klo, beim Autofahren) mit ein beziehen sollte: Wer oder was betrachtet, beobachtet (PS: sicherlich nicht das Ich, was wir landläufig mit unserem Ego verwechseln, sondern unser ‘höheres Selbst’… aber das nur so am Rande fĂĽr die, die bereits ĂĽber die reine Materie hinaus geblickt haben und nicht mehr zwingend Bewusstsein als Epiphänomen der Materie an sehen, also Darwin nicht vergöttern…)

    Daher ist unser Weltbild (wie in den threats zuvor erörtert) maßgeblich für unsere Interpretation der Dinge (also dat, wat innet Bewusstsein kommen tut), diese ist eben subjektiv (s.o.).

    Jetzt kommen wir zu dem Roboter-Beispiel, was nix anderes ist als eine moderne Variante des mit dem kartesischen Dualismus verbundenen Problems: (wieder von A. Goswami in selbigen Buch auf S. 195 geil zusammen gefasst:) “…der kartesische Dualismus von Geist und Körper stellt eine Verletzung der Erhaltungsgesetze von Energie und Impuls dar, die von der Physik aufgestellt wurden und ĂĽber jeden Zweifel erhaben sind (letzteres kann man auch lächelnd ironisch verstehen – meine Anmerkung). Wie sollte der Geist mit der Welt in Wechselwirkung sein können, ohne gelegentlich Energien und Impulse aus zu tauschen?…”

    Wir können das so nicht lösen ohne es emergent zu betrachten und mehr und mehr nähern wir uns einer (auch) spirituellen Welt-An-Schauung.
    Danke Dafür also mein materialistischer Freund, der nicht an Gott glauben will mwahaha…
    Cheers.

    1. Mir ging es erst mal darum deutlich zu machen, dass Information eben nicht unabhängig von Materie ist, also um es deutlich zu sagen, in meinem Weltbild gibt es keine Information ohne Materie.

      Das ändert aber nichts daran, dass es Information an sich gibt. Ich denke auch nicht, dass Information an sich materiell ist, sie ist eben eine interpretierte Version von etwas materiell Übertragenem. Die DNA beinhaltet offensichtlich eine ganze Menge an Information und ist damit ein Informationsträger. Gelesen wird die Information von den sich bildenden Zellen, diese sind also die Informierten. Damit handelt es sich offensichtlich um Information.

      Aber wer ist der “Informant” – wer hat die DNA “geschrieben”?

      Laut Darwin (oder besser Laut der Evolutionstheorie) war das der “Zufall”, also die DNA hat sich durch zufällige Mutationen und der Auswahl der ĂĽberlebensfähigsten Variante dieser Mutationen gebildet. Das macht aus meiner Sicht total Sinn und ist leicht zu verstehen. Wer ĂĽberlebt, gibt seine DNA – also die bestehende Information – weiter. Manchmal eben mit Mutationen. Warum also mehr dahinter sehen?

      Klar, kann das auch Gott sein der den Zufall steuert. Aber dann sind wir schnell beim “Intelligent Design” und das ist eine Theorie fĂĽr die es keine Evidenzen gibt. Es mag stimmen, kann aber auch sein, dass es AuĂźerirdische sind die aus einer unsichtbaren Raumstation heraus seit Millionen von Jahren alles auf der Erde manipulieren. Beides sind gleichwertige Hypothesen (keine Theorien, da nicht beweis- oder wiederlegbar) die aus meiner Sicht aber ĂĽberflĂĽssig sind.

      Aber, um es klar zu sagen, auch in meiner ach so materiellen Welt gibt es keine Antworten auf das “Warum”. Warum gibt es nicht Nichts? Warum gibt es Leben? Warum gibt es Information? Keine Ahnung, woher soll ich das wissen, ich bin Physiker, kein Philosoph.

      “Die Physik ist der zum Scheitern verurteilte Versuch, die Welt ĂĽber Materie zu erklären” (ein nicht ganz so bekannter Physiker – ich).

      Es gibt genug Raum fĂĽr Gott in dieser Welt, wenn man denn an ihn (oder sie?) glauben will. Da braucht man sich nicht ĂĽber Dinge zu streiten, die auch anders erklärbar sind. Die Physik in unserem Universum ist offensichtlich ĂĽber (mathematische) Modelle zu verstehen. Es gibt keine Erscheinungen wie Zauberei, Wunder, Geistheilung oder verquirltes Wasser dass unser Leben besser macht. All das wird zwar behauptet, lässt sich aber nicht nachweisen. Keine Evidenz. Aber WARUM sich die Dinge in unserem Universum so verhalten, dass kann kein Physiker beantworten. Will auch keiner, auĂźer solchen die den Unterschied zwischen Physik und Philosophie nicht so richtig erkannt haben – oder solchen, die mit der Verwischung des Unterschieds Geld verdienen indem sie den Menschen Mist erzählen und ihnen verquirltes Wasser verkaufen damit ihre kranken Eltern wieder gesund werden.

      Ja, du hast Recht, wenn man sich dem WARUM nähern will, dann wird das natürlich spirituell. Stimme zu. Aber das bedeutet nicht, das alles spirituell ist und ganz sicher auch nicht, dass irgendeine spirituelle Größe die Ereignisse in unserem Leben oder auf unserem Planeten steuert. Das mag man glauben, wenn es einem damit besser geht. Aber Evidenz besitzt das keine.

      Und Emergenz ist das auch nicht: “Emergenz (lateinisch emergere „Auftauchen“, „Herauskommen“, „Emporsteigen“) bezeichnet die Möglichkeit der Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurĂĽckfĂĽhren, die diese isoliert aufweisen.” Emergenz hat offensichtlich etwas mit Materie und deren “Optionen” zu tun. Warum? Keine Ahnung, bin ich Philosoph?

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