Social Scoring – China als Vorreiter für den Rest der Welt?

Hierzulande kennt man ja die Schufa und meistens – hasst man sie. Ich habe auch bereits Kredite nicht bewilligt bekommen, weil falsche Angaben in meiner Schufa standen, und ich mir nicht bewusst war, dass man vorher mal schauen sollte, was da so drin steht.

Unter anderen sollte ich innerhalb von 2 Jahren 10 mal umgezogen sein. Das stimmte nicht – meine Adresse war aber wohl etwas zu lang für manche Eingabegeräte – so dass aus Wattenscheider Hellweg 142 mal eben folgende Strassen wurden:

  • Wat Hellweg 142
  • Wattenscheider H142
  • Wattenscheider Hellweg 142
  • Wattenscheider Helweg 142
  • W Hellweg 142
  • Wattenscheider Hellweg 14
  • usw.

Das führte dazu, dass mein Scorewert so niedrig war, dass ich für einen Autokauf keine Kreditzusage erhielt. Man war ich sauer zu dem Zeitpunkt.

Sperren der Schufa ist aber leider hierzulande nur eine Option, wenn man keinen Telefonvertrag und kein Eigentum erwerben will. Ebenfalls verlange manche Vermieter auch eine Schufaauskunft. Auch beim Öffnen eines Bankkontos kann eine Schufaauskunft verpflichtend sein. Wenn man diese also sperren lässt, hat man ziemliche Einbußen was das normale Leben angeht.

Die Schufa ist eine private Firma – die von anderen Firmen Daten über einen sammelt. Aus meiner Sicht erstmal gar nicht so schlimm, da es um den Geschäftsverkehr geht und man ja nicht immer ewiß, mit wem man verkehrt. Das macht es shcon etwas sicherer. Das Problem ist, dass es so intransparent ist, dass es für den Normalbürger nicht beinflussbar ist. Aber genau diesen trifft es. also sollte dieser auch mit größtmöglicher Transparenz sehen können, was drin steht, wie das Rating zustande kommt, und wie man es ändern kann. Das ist obwohl es schon Versuche gab, die zu verbessern, immer noch nicht durchgesetzt.

Es gibt noch wietere Firmen, wie die Schufa – die auch nicht besser sind. Die Schufa ist nur die bekannteste davon.

Bei all diesen Scoring Firmen geht es um die Verträge, die man mit anderen Firmen geschlossen hat. Also, ob man seine Raten pünktlich bezahlt hat. Wie viele Handyverträge man hat. Wie viele Kreditverträge, wie viele Kreditanfragen, wie oft man umgezogen ist, wo man wohnt, ob man verheiratet ist und wie viele Kinder, usw. Man hat ein Profil und wird danach bewertet.

In China wird seit 2014 daran gearbeitet solche Profile viel weiter auszubauen und zwar auf staatlicher Ebene. Aktuell ist es noch freiwillig. Freiwillig bedeutet aber nur, wie oben bereits bei der Schufa-sperrung beschrieben – dass man dadurch auf das normale Leben verzichten darf, da niemand mehr einen Vertrag mit einem eingeht.

Zitat aus Wikipedia:

“Integriert werden staatliche und private Datenbanken auf nationaler und subnationaler Ebene. Es fließen zur Berechnung Daten ein zur finanziellen Bonität, zum Strafregister und zu weiteren als relevant erfassten Verhaltensweisen. Des Weiteren ist anzunehmen, dass Daten der ausgesuchten Partnerunternehmen wie Alibaba Group (chinesisches Äquivalent zu Amazon), Tencent (chinesisches Äquivalent zu Facebook), Baidu (chinesisches Äquivalent zu Google) in die Bewertung einfließen werden.”

Weiter heißt es dort – zur Bewertung werden “”persönliches Verhalten” (englisch personal behavior and preference) und “persönliche Beziehungen” (englisch interpersonal relationships) herangezogen”.

Seit letztem Jahr sind bereits die ersten Systeme in Städten aktiv und werden bis 2020 getestet. Danach soll es verbindlich für alle Bürger eingeführt werden.

China möchte sozial erwünschtes Verhalten fördern. Das wird Citizen Score genannt. Auch hier gibt es nur Intransparenz. Man liest beispielsweise von Heise, dass man Punkte verliert, wenn man zu viel online zockt, oder man ein Taxi ruft und dann nicht erscheint. Das wohl aber nur vermutet wird.

Lustig wird es, wenn Hacker dann bezahlt werden, um Profile aufzuhübschen. Das ist angeblich bei der Bezahllösung Alipay bereits möglich.

Es werden halt nicht nur die Verträge mit ins Scoring gesetzt sondern auch die genutzten online Plattformen. Beipielsweise – ob und welche Freunde man hat. Man stelle sich also vor, dass Facebook daraufhin ausgewertet wird, welche Freunde du in deiner Freundesliste hast.

Alles was man bezahlt wird hier einfließen – was man kauft, wie man es kauft und bei wem man es kauft. Alles was man macht – also ob man online zockt, ob man draußen spielen geht – bowling, oder anderes. Ob man Freunde hat ode rnicht, welche Freunde. Welches Auto man fährt, welche Arbeit man hat, welche Krankheiten, wie viel Sport man treibt, wie man sich äußert – online sowie auch offline – weil man durch Bwertungen anderer auch beurteilt wird. Das ist eine solche Dystopie – dass ich nicht verstehen kann, wie man das zulassen kann. china sagt dazu Social Scoring – ich sage dazu, Überwachung, Kontrolle und Macht.

Das ganze erinnert mich sehr stark an das Buch Qualityland von Marc-Uwe Kling. Eine Überspitzung, die sich anbahnt Realität zu werden.

Wenn das in China wirklich durchgesetzt wird – wonach es aktuell aussieht, dann kann man nur hoffen, dass sich das nicht in Richtung Westen auswächst. Aber leider vermute ich sehr stark, dass es so kommen wird. Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit – ist ja der Wahn, der den Westen befallen hat. Und mit der kompletten Überwachung, schafft man ja ein Mehr an Sicherheit….

 

Wen es interessiert – hier noch ein paar Links zu dem Thema:

http://xethix.com/social-scoring-was-das-surfverhalten-ueber-die-bonitaet-verraten-kann/

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article108401373/Was-Social-Media-bereits-ueber-Ihre-Bonitaet-verraet.html

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